Hund und CO2 – Wie groß ist der ökologische Pfotenabdruck eines Haustieres? Drei Studien und die Erkenntnis, Hunde sind keine Klimakiller. Die Frage – Hund und CO2 – ist aktuell, denn das Klima, besser gesagt der Klimawandel, ist ein großes Thema geworden. Die Reduktion von CO2 Emissionen ist das erklärte Ziel aller Länder der Erde. Industrie, Schifffahrt und Automobilhersteller sind als CO2 Sünder bereits im Fokus aber auch die Tierhaltung wird in regelmäßigen Abständen thematisiert. Zu Beginn ging es primär um die Fleischproduktion und damit um die Viehzucht aber seit einigen Jahren werden auch Heimtiere, wie Hund und Katze, als CO2 Probleme auf vier Pfoten gesehen. In der Politik wird selten aber doch darüber nachgedacht, Hundehaltern eine CO2 Steuer für die Haltung ihrer Vierbeiner aufzubrummen.

Drei Studien – USA, Deutschland, Schweiz

2017 veröffentliche Gregory S. Okin eine Studie in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift PLOS One. Der Name der Studie: „Umweltauswirkungen des Lebensmittelverbrauchs von Hunden und Katzen„. Okin erhebt für seine Studie die Zahl der Katzen und Hunde in den USA sowie die Inhaltsstoffe marktdominierender Futtermittel. Damit errechnet er den Fleischverbrauch der Vierbeiner. In den USA lebten damals übrigens etwa 94 Millionen Katzen und 90 Millionen Hunde. Was an Futter hineingehe, müsse natürlich auch wieder hinaus, schreibt Okin: Gut fünf Millionen Tonnen Kot fallen jährlich an, hat er errechnet. 2020 stellen sich Kim Maya Yavor, Annekatrin Lehmann und Matthias Finkbeiner am Institut für Umwelttechnik der Technische Universität Berlin eine ähnliche Frage. Der Titel der Studie: „Umweltauswirkungen eines Haustierhundes: Eine LCA-Fallstudie“. Die Dritten im Bunde sind die Schweizer. Auf der Plattform ESU wird eine „ÖKOBILANZ VON HAUS- UND HEIMTIEREN“ publiziert, die zu ähnlichen Schlüssen wie die amerikanische und deutsche Studie kommt.

Die erste große Studie stammt aus den USA

Ist „Hund und CO2“ tatsächlich ein Thema?

Haustiere und damit auch der Hund sind ein Thema, allerdings eines ganz am Ende einer langen Liste. Das sieht auch der WWF so. Michael Schäfer, Leiter der Abteilung Klimaschutz und Energiepolitik beim Umweltverband WWF relativiert. Laut Schäfer sind die wahren Klimakiller nicht Haustiere, sondern Menschen. In Deutschland sind zum Beispiel definitiv die Kohlekraftwerke der größte Einzelverursacher von Treibhausgasemissionen. Hund und CO2 ist eher ein populistischer Aufhänger, denn eine globale Bedrohung. Die Schwäche aller Studien, die sich mit Hund und CO2 beschäftigen, ist die Datenlage bei ihrem Hauptargument. Hundefutter ist ein sehr komplexes Thema, es gibt viele verschiedene Zusammensetzungen bei den einzelnen Futtermitteln. Dazu kommt, jeder Hundehalter hat seine eigenen Ideen von der Fütterung des Hundes. Eine CO2-Steuer für Hundehalter mag zwar der Geldbeschaffung dienlich sein, eine Rettung des Klimas ist es aber nicht.

Wenn wir unsere Erde schützen wollen, müssen wir unsere Stromerzeugung, unseren Verkehr, unsere Gebäude klimafreundlich machen. Dann können wir uns der Haustierfrage widmen.

Michael Schäfer, WWF 2020

Okin und die Umweltauswirkungen des Lebensmittelverbrauchs von Hunden und Katzen

Gregory Okin geht von der Annahme aus, dass Hunde und Katzen als Karnivoren die Fleischproduktion ankurbeln und mit ihren Exkrementen die Umwelt belasten. Er berücksichtig bei seinen Untersuchungen den Energieaufwand für die Produktion von Tiernahrung und die Menge des Konsums tierischer Produkte pro Haustier sowie die dadurch entstehenden Ausscheidungen, die er ebenfalls als Umweltbelastung kategorisiert. Okin kommt zu der Conclusio, dass die Ernährung von Hunden und Katzen in den USA für die Freisetzung von bis zu 64 ± 16 Millionen Tonnen CO und anderen Treibhausgasen verantwortlich ist. Was er zwar bedenkt aber nicht ausreichend berücksichtigt ist, dass Hunde und Katzenfutter meist aus sogenannten Schlachtabschnitten und Knochenmehl besteht.

In den USA gibt es mehr als 163 Millionen Hunde und Katzen, die als einen erheblichen Teil ihrer Ernährung tierische Produkte konsumieren und daher potenziell einen beträchtlichen ernährungsbedingten Fußabdruck darstellen

G.S. Okin in PLOS One 2. August 2017

Die LCA Studie aus Berlin

LCA steht für „Life Cycle Assessment“, auf gut Deutsch „Lebenszyklusanalyse“. Es handelt sich also um eine systematische Analyse der Umweltwirkungen von Menschen, Tieren oder Produkten während des gesamten Lebens oder Produktionsweges, quasi „von der Wiege bis zur Bahre“. Die Berliner LCA-Studie wurde an einem durchschnittlichen Hund durchgeführt. Gemessen wurde der Einfluss von Tierfutter und Hundeexkremente. Ein durchschnittlicher Hund hat, laut dieser Studie, ein Klima- und Süßwasser-Eutrophierungspotenzial von rund 8200 kg CO2bzw. 5,0 kg Peq. Den Hauptanteil am negativen ökologischen Pfotenabdruck hat das Hundefutter.

Die 8,2 Tonnen CO2-Ausstoß in 13 Jahren ergeben einen jährlichen CO2-Ausstoß von 630 Kilogramm. „Setzt man diese 630 Kilogramm CO2 ins Verhältnis zu den zwei Tonnen, die jeder Mensch pro Jahr emittieren kann, weil sie laut Weltklimarat für das Klima noch erträglich sind, dann muss sich jeder Hundebesitzer vor Augen führen, dass nahezu ein Drittel seines CO2-Budgets bereits vom Hund verbraucht wird.“

Matthias Finkbeiner, Pressemitteilung TU Berlin

Die Studie der Schweizer

Die Studie des Schweizer Unternehmens ESU, das auf Ökobilanzen spezialisiert ist, hat errechnet: Haustiere verhageln den CO2-Fußabdruck ihrer Besitzer. Ein Hund zum Beispiel erhöht den ökologischen Fußabdruck seines Zweibeiners, laut ESU Studie, um etwa fünf Prozent. Bei Hunden kommt es zudem darauf an, wie gefüttert wird. Wer seinen Vierbeiner möglichst artgerecht ernährt, beispielsweise mit BARF, also hochwertigem rohen Fleisch, der verursacht damit die höchste Umweltbelastung im Vergleich zu anderen Futtersorten. Denn diese bestehen meist aus Nebenprodukten der Fleischindustrie (Schlachtabschnitte, Knochenmehl). Trotzdem sind Hunde nicht die Klimakiller Nummer 1. Denn mit Blick auf die gesamte Schweiz ist die Haustierhaltung von untergeordneter Bedeutung. Sie macht nur etwa 1.2% der gesamten Umweltbelastungen aus, die durch den Schweizer Konsum im Referenzjahr 2015 verursacht wurden.

Für den Einzelfall kann ein Tier einen wesentlichen Mehrbeitrag in der persönlichen Umweltbilanz bedeuten. Über die gesamte Schweiz gesehen, ist die Heimtierhaltung aber kein wichtiges Thema.

ESU, Ökobilanz Haustiere

Die Medien lieben das Thema „CO2 und Hund“

Klimapolitik polarisiert, Haustierhaltung ebenfalls, Artikel die beides behandeln werden sicher gelesen. MDR zum Beispiel titelte 2020 „DIE DOGGE IST DER SUV: WIE HUNDE DAS KLIMA BELASTEN„. Im Text geht es dann um die LCA Studie aus Berlin und die kommt recht trocken zu dem Schluss, dass Hunde zwar den ökologischen Fußabdruck von Herrchen oder Frauchen vergrößern aber sicher nicht die ultimative Verantwortung für die Erderwärmung tragen. Die HAZ titelte bereits 2019 „WARUM HAUSTIERE SCHLECHT FÜRS KLIMA SIND“ und konnte die Frage im Artikel nicht schlüssig beantworten. Der Text bezieht sich auf die Studie der ESU und da steht zu lesen, dass Haustiere keinen besonderen Impact auf das Klima haben. Der SPIEGEL wiederum bezieht sich in einem Artikel auf die Studie von Okin und titelte 2017 mit „HUNDE UND KATZEN SIND SCHLECHT FÜRS KLIMA„. Jede der drei hier genannten Studien hat ähnliche Schlagzeilen verursacht. Im Text, der nicht immer gelesen wird, kam dann heraus, dass Haustiere nur sehr wenig Auswirkung auf das Klima haben. „HUND UND CO2“ ist eine immer wiederkehrende Ente in den Medien.

Es geht um Relationen – ein radfahrender Vegetarier mit Dogge hat vermutlich einen kleineren ökologischen Fußabdruck, als ein autofahrender Fleischliebhaber mit Dackel.

Warum ist die Ente „Hund und CO2“ jetzt aktuell?

Weil in Deutschland die Grünen eine Rolle in der nächsten Regierung spielen werden und ein Politiker, der Hunde in Frage stellt, nicht gewählt wird. Annalena Baerbock wird Spitzenkandidatin der Grünen im Wahlkampf sein. Seit das klar ist, kursieren Bilder von Bearbock im Netz mit folgendem Text: “ Kanzlerkandidatin der GRÜNEN für CO2 Steuer auf Haustiere! Ende der Haustierhaltung„. Ihr wird diese Aussage unterstellt: „Wir können alleine durch den Wegfall der Hunde in Deutschland ca. 19 Millionen Tonnen Kolenstoffdioxid einsparen. Das entspricht fast soviel CO2 wie man mit einem Auto bei zehntausend Erdumrundungen feisetzen wurde – fast 10% des StraBenverkehrs. Dazu kommen noch Katzen, Pferde und viele weitere Tiere. Die private Tierhaltung muss daher ein Ende haben und wenn es durch eine CO2 Steuer auf Haustiere erfolgt.“ Abgesehen, dass ein „h“ bei Kohlenstoffdioxid fehlt, diese Aussage ist nicht nur inhaltlich falsch, sie stammt auch nicht von Baerbock. Allerdings hat aber die „Freibeuter“-Partei“ in Leipzig den Antrag gestellt eine CO2 Steuer für Haustiere einzuheben.

Screenshot bing Bildsuche

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